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Durch den Schmerz gehen

Immer wieder im Leben begegnet uns die Tatsache, dass erst etwas passieren muss, bevor wir Menschen etwas verstehen.

In den letzten Wochen frage ich mich immer öfter, ob das denn nun wirklich so sein muss, oder ob es nicht einen sanfteren Weg gibt.

Es gibt unzählige Situationen in denen uns das Prinzip: Lernen durch Schmerz, begegnet.

Der Strafzettel, wenn wir wissentlich zu schnell gefahren sind

Der eskalierende Streit, obwohl wir vielleicht schon vorher Groll gehegt haben, den wir nicht ausgesprochen haben

Der Mensch der stirbt und uns dadurch wieder deutlich macht, wie wertvoll das Leben ist

Das Magengeschwür, das uns zeigt, wir sollten unseren Ärger nicht in uns hineinfressen

Das Schimpfen über andere, obwohl wir selbst auch einen Anteil an der Situation haben

Muss das wirklich sein?

Ich möchte sagen: Nein muss es nicht.

Doch was braucht es, um dem Schmerz ein Schnippchen zu schlagen?

In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit ist es sicherlich eine Herausforderung, die eigene innere Stimme zu hören. Den eigenen inneren Dialog zu hören. Die eigenen Gefühle wahrzunehmen.

Und doch sind es genau diese drei Themen, welche in unser Bewusstsein gebracht werden sollten, um zu lernen, zu bemerken, zu korrigieren – bevor etwas passiert.

Ich finde das hat viele Vorteile. Zum einen gewinnt man dadurch ganz viel Lebenszeit – denn bis der Schmerz in der Intensität kommt, dass wir ihn auch wahrnehmen, kann sehr viel Zeit verstreichen. Zeit die wir tatsächlich mit angenehmeren Dingen verbringen könnten.

Zum anderen erspart man sich durch das sanfte Lernen sehr viel Ärger, Stress, schlechte Laune, vielleicht erspart man sich auch ein schlechtes Gewissen, weil man nicht erst mit den Kindern schimpfen muss, um zu merken, dass man SELBST gerade über die Grenzen beanspruch ist. Oder es erspart den Ehestreit, die Debatte mit dem Nachbarn etc. Also alles Dinge auf die wir, glaube ich, sehr gut verzichten können.

Und wie stelle ich es nun an, dass ich meine innere Stimme höre und meine Gefühle Raum bekommen gefühlt und wahrgenommen zu werden?

1. Aufmerksamkeit

Unser Gehirn ist immer nur in der Lage sich auf eine Sache zu konzentrieren (Nein, auch Frauen können kein Multi-Tasking, ihre Gehirne sind nur besser in der Lage zwischen mehreren Sachen hin und her zu switchen). Das heißt, wenn wir beim Einparken schon in Gedanken bei unserem anstehenden Termin sind, passiert es schnell, dass wir den Parkschein vergessen.

Wenn wir den Tag über darauf konzentriert sind, das der Haushalt läuft, die Arbeit gemacht ist oder ähnliches und wir uns keine Aufmerksamkeits-Pausen für unseren Körper nehmen. Unseren Blick nicht zwischendurch mal auf unsere Gefühlswelt lenken, so kann es schnell passieren, dass ein Streit eskaliert, da wir alle Warnsignale vorher gar nicht mitbekommen haben und dann unser Stresslevel so hoch ist, dass wir nur noch eskalieren können.

Das heißt, sind wir aufmerksamer im Moment – machen wir tatsächlich eine Sache nach der anderen und schenken jeder Aufgabe, jedem Menschen einen Moment lang die volle Aufmerksamkeit, so bekomme wir viel mehr mit, was mit uns und um uns herum geschieht. Und dieses Wissen wiederum gibt uns so viel Handlungsspielraum, die Situation selbst gestalten zu können. Und das macht am Ende so zufrieden.

2.Respekt

Dieser Punkt ist mir tatsächlich mehr als nur eine Herzensangelegenheit. Dieser Punkt ist für mich ein essentieller Faktor für mehr Zufriedenheit, ausgeglichenere Beziehungen, mehr Harmonie und ein erfüllteres Leben.

Doch was genau meine ich mit Respekt.

Respekt ist für mich die Haltung, dass ich das Wunder in jedem Menschen, jeder Pflanze, jedem Ort, jeder Situation anerkenne. Denn alles was uns umgibt ist ein Wunder. Alles was uns umgibt ist zu einem bestimmten Zweck bei uns und möchte uns etwas lehren. Jeder Mensch ist eine Bereicherung für uns. Jedes Lebewesen ist wertvoll.

Und alles was darüber liegt, also alles was uns stört – sei es eine Verhaltensweise eines Menschen, die Pflanze die für uns Unkraut ist, die Situation die uns Schmerzen verursacht. All das sind Lernaufgaben – die genauso respektvoll behandelt werden wollen J

3.Ernst nehmen

Hier schließe ich an den Punkt Respekt an. Denn wer in der Lage ist, seine Umwelt wirklich zu respektieren, der ist auch in der Lage die Zeichen, die Sprache seiner Umwelt ernst zu nehmen.

Wenn ich sage, ernst nehmen, dann meine ich, mit vollem Herzen einem anderen Menschen zuzuhören und ihn wirklich ernst zu nehmen. Dabei ist es für mich völlig egal, ob dieser Mensch 1 oder 100 Jahre alt, ob er gesund oder beeinträchtigt ist. Jeder Mensch hat für sich persönlich erstmal Recht. Jeder Mensch ist Experte seines Selbst und sollte auch so wahrgenommen werden. Natürlich wird es immer wieder Situationen geben, wo man im Miteinander dann Kompromisse finden möchte, oder vielleicht auch der Gegenüber ein negatives Selbstbild hat, was korrigiert werden darf.  – Doch das will ich hier nochmal ganz deutlich sagen: Das liegt nicht in unserer Hand und Verantwortung, wann und wie der einzelne Mensch zu Veränderung bereit ist. Ich wünsche mir, jeder würde mit seiner Meinung grundsätzlich erstmal ernst genommen werden.

4.Demut

Das ist für mich der letzte Punkt, der uns vielleicht ein bisschen mehr dahin bringen kann, nicht immer nur durch Schmerz zu lernen.

Demut vor dem großen Ganzen. Wir alle sind nur ein kleiner Teil eines riesengroßen Systems. Wir alle haben nur begrenzten Einfluss auf die Realität. Und umso mehr wie mit der Realität diskutieren, desto mehr fügen wir uns selbst Schmerzen zu.

Wir ändern es nicht, dass wir einen Parkschein brauchen. Wir ändern es nicht, dass unser Körper und Geist an seinen Grenzen kommt. Wir ändern es auch nicht, dass Menschen sterben.

Doch was wir ändern können ist unsere Haltung dazu. Und eine Möglichkeit wäre, sich selbst mehr im Kreislauf des Lebens zu betrachten. Dazu gehört es auch einen Parkschein zu kaufen, weil sich jemand Mühe gemacht hat einen Parkplatz zu bauen, welchen wir benutzen. Dazu gehört es auch, seine eigenen Grenzen einzugestehen und so den Streit zu beenden, der nur Schmerzen verursacht. Dazu gehört es auch zu erkennen, dass wir alle jeden Tag lernen und wachsen.

Stellen wir uns jedoch über die Dinge und sind der Meinung es „besser zu wissen“ können wir schon mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es mit Schmerzen endet.

Und ja, vielleicht müssen wir Menschen tatsächlich so lange durch Schmerz lernen, bis auch der letzte verstanden hat, dass wir alle Teil eines großen Ganzen sind. Dass wir alle zusammenhängen und niemand über dem anderen steht.

Erst wenn dieses Machtgefälle überwunden ist, sind wir frei.

Fangen wir an.

Freiheit im Kopf.

Alles Liebe eure Christina

Quellenangabe: KieferPix/Shutterstock.com

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