Paar-und Sexualberatung

Paarberatung Rudolstadt, die wirkt! Portrait von Christina. Im Hintergrund verschwommener Wald

auch wenn ADHS / Autismus und Hochsensibilität eine Rolle spielen

„Ich geb doch mein Bestes!“ – Warum Männer sich rechtfertigen, wenn Frauen sagen, was sie stört

„Das Wohnzimmer sieht ganz schön chaotisch aus.“ „Das Geschenk für deine Mutter ist noch nicht besorgt.“ „Das Essen ist irgendwie nicht richtig durch.“

Kleine Sätze. Eigentlich banal. Und trotzdem kippt danach oft der ganze Abend.

Denn was folgt, ist nicht: „Stimmt, das stört dich.“ Was folgt, ist eine Erklärung. Warum heute keine Zeit zum Aufräumen war. Dass im Laden nichts Passendes lag. Dass er nach der Arbeit auch kaputt ist. Und am Ende der Satz: „Ich geb doch mein Bestes!“

Das Problem: Das hat niemand bezweifelt und doch fühlen Männer sich oft angegriffen – auch wenn das nicht der Fall ist.

Wenn Männer in der Partnerschaft das Gefühl haben, sie müssen sich rechtfertigen, kann dies zu Missverständnissen führen.

Sie hat nur gesagt, dass sie etwas stört. Sie wollte jemanden, der zuhört – und bei Bedarf mit ihr eine Lösung sucht. Stattdessen sitzt sie jetzt da und muss ihn beruhigen. Ihr Gefühl ist aus dem Raum verschwunden, jetzt geht es nur noch um seins.

Dieses Muster begegnet mir in meiner Paarberatung ständig. Und es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Warum rechtfertigt sich mein Partner ständig?

Meine Beobachtung: In diesem Moment antwortet oft gar nicht der erwachsene Mann. Es antwortet der kleine Junge in ihm.

Viele Männer haben früh gelernt: Wenn Mama sagt „Wie sieht es hier denn aus?“, gibt es gleich Ärger. Dann hat man etwas falsch gemacht und muss erklären, warum, damit es wieder gut wird.

Dieses innere Kind ist schnell wach. Ein Satz wie „Das Wohnzimmer ist chaotisch“ landet dann nicht beim Partner, sondern bei dem Jungen, der gleich geschimpft wird. Und ein Junge, der gleich geschimpft wird, tut das Naheliegende: Er verteidigt sich.

Wichtig: Das ist keine Abwertung von Männern. Dieser Reflex ist zutiefst menschlich und hat einmal gut funktioniert. Er passt nur nicht mehr. Denn die Frau neben ihm ist nicht seine Mutter. Und sie schimpft auch nicht.

Ein Gefühl ist kein Vorwurf

„Mich stört das“ ist eine Information über sie. Es ist kein Urteil über ihn.

Genau diese Unterscheidung geht im Alltag verloren. Sie sagt: „Ich fühle mich gerade unwohl in diesem Chaos.“ Er hört: „Du hast versagt.“ Und reagiert folgerichtig auf einen Vorwurf, der nie ausgesprochen wurde.

Warum der Streit dann im Kreis läuft

Für sie fühlt sich die Rechtfertigung an, als würde ihr Gefühl nicht zählen. Sie wollte etwas teilen und bekommt eine Verteidigungsrede. Also wird sie deutlicher, vielleicht lauter.

Und genau das bestätigt ihm: Ich werde gerade geschimpft. Seine Erklärungen werden länger, ihr Ärger größer. Am Ende geht es nicht mehr um das Wohnzimmer, sondern darum, wer wen nicht versteht.

Beide fühlen sich allein. Und beide wollten eigentlich etwas Gutes: Sie wollte Nähe, er wollte zeigen, dass er sich Mühe gibt.

Die Einladung: Sich ihr in den Weg stellen

Statt sich zu verteidigen, kann er stehen bleiben. Als Erwachsener, zugewandt, auf Augenhöhe. Zum Beispiel so:

„Okay, dich stört das. Was brauchst du gerade?“

Und dann gemeinsam schauen:

  • Was kann ich tun?
  • Was kannst du tun?
  • Oder lassen wir es heute einfach ganz sein?

Diese Fragen sind keine Unterwerfung. Im Gegenteil: Wer so fragt, macht sich nicht klein. Er nimmt ihr Gefühl ernst, ohne sich dafür schuldig zu fühlen. Und manchmal ist die ehrliche gemeinsame Antwort: Das Wohnzimmer bleibt heute so, und das ist okay.

Und was kann sie tun?

Auch sie hat einen Teil in diesem Tanz. Sie kann ihm helfen, beim Erwachsenen zu bleiben, statt beim Jungen: „Ich mach dir keinen Vorwurf. Mich stört es nur, und ich wollte es dir sagen.“

Und sie kann für sich klären: Brauche ich gerade eine Lösung? Oder brauche ich jemanden, der es einfach mit mir aushält? Je klarer sie das sagen kann, desto weniger muss er raten.

Fragen für euch beide

Statt Rezepten ein paar Fragen. Ihr könnt sie jede*r für sich beantworten oder gemeinsam, zum Beispiel bei einem Spaziergang.

  • Wenn du dich gerade rechtfertigst: Wie alt fühlst du dich in diesem Moment?
  • An wen erinnert dich der Satz „Wie sieht es hier denn aus?“
  • Was befürchtest du, würde passieren, wenn du dich einfach nicht erklärst?
  • Woran würdest du merken, dass er wirklich bei dir ist und nicht beim Verteidigen?
  • Wann ist es euch schon einmal gelungen, so einen Moment gemeinsam zu tragen? Was war da anders?

Gemeinsam durch den Sturm statt gegeneinander

Partnerschaft heißt nicht, dass nie etwas stört. Sie heißt, dass wir einander durch die Stürme begleiten – die großen und die ganz banalen.

Eine Rechtfertigung macht aus einem kleinen Ärger eine Gerichtsverhandlung. Eine zugewandte Frage macht daraus etwas, das ihr gemeinsam tragt.

Häufige Fragen

  • Warum rechtfertigt sich mein Partner, obwohl ich ihm gar keinen Vorwurf mache? Oft hört er in deinem Satz nicht dich, sondern eine alte Stimme, die gleich schimpft. Er reagiert auf einen Vorwurf, den du nie gemacht hast – als Schutzreflex, nicht als Angriff.
  • Ist es Desinteresse, wenn er sich ständig rechtfertigt? Meist nicht. Im Gegenteil: Er erklärt sich, weil ihm wichtig ist, wie du ihn siehst. Er will zeigen, dass er sich Mühe gibt.
  • Was kann er statt einer Rechtfertigung sagen? Zum Beispiel: „Okay, dich stört das. Was brauchst du gerade?“ Dann könnt ihr gemeinsam schauen, wer was tun kann – oder ob ihr es heute einfach sein lasst.
  • Wie spreche ich etwas an, ohne dass er sich angegriffen fühlt? Sag dazu, wie es gemeint ist: „Ich mach dir keinen Vorwurf, mich stört es nur.“ Und klär vorher für dich, ob du eine Lösung brauchst oder einfach jemanden, der zuhört
  • Hilft Paarberatung bei so einem Muster – auch online? Ja. Von außen ist leichter zu sehen, wer da gerade spricht: der Erwachsene oder das innere Kind. Viele Paare arbeiten online genauso gut daran wie vor Ort.

Wann Paarberatung helfen kann

Manche Paare finden mit solchen Fragen selbst einen neuen Weg. Andere merken, dass der alte Reflex schneller ist als jeder gute Vorsatz – gerade unter Stress, mit kleinen Kindern, nach Jahren der Übung. Das ist kein Scheitern. Von innen ist ein Muster schwer zu sehen.

In der Paarberatung schauen wir gemeinsam darauf, was zwischen euch passiert: wer da gerade spricht, was jede*r von euch braucht und welche Stärken ihr schon mitbringt. Ich ergreife dabei keine Partei. Mich interessiert, wie ihr wieder zu einem Team werdet.

Image by Tumisu from Pixabay

 

Zertifikat
Zertifiziertes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF)
Paar- und Familienberatung Rudolstadt, die wirkt! Christina sitzend. Im Hintergrund verschwommener Wald

Ich bin Christina Eberitsch – systemische Paarberaterin mit Fokus auf ADHS / Autismus und Trauma. Selbst Mama von 4 Kindern und seit 11 Jahren mit meinem Mann zusammen. Ich kenne die Höhen und Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung und weiß auch, dass du da durchkommen kannst.

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