Paar-und Sexualberatung

Paarberatung Rudolstadt, die wirkt! Portrait von Christina. Im Hintergrund verschwommener Wald

auch wenn ADHS / Autismus und Hochsensibilität eine Rolle spielen

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Überfordert als Mutter – und warum es selten nur an dir liegt

„Manchmal muss man aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen. “

Virginia Satir

Wenn der Glitzer zu viel ist

Die Kinder stehen mit leuchtenden Augen vor dir und wollen mit Fingerfarben malen. Ein Teil von dir möchte Ja sagen. Ein anderer Teil denkt: „Bitte nicht. Nicht heute. Ich kann nicht mehr.“

Viele Mütter kennen diesen Moment. Und viele erleben ihn nicht als Information, sondern als persönliches Versagen: „Andere schaffen das doch auch.“

Ich möchte dir eine andere Lesart anbieten. Überforderung ist selten nur eine Eigenschaft von dir. Sie ist oft ein Hinweis darauf, wie Aufgaben, Verantwortung und Vertrauen in deinem Familiensystem verteilt sind. Und genau dort lohnt es sich hinzuschauen – nicht um Schuld zu verteilen, sondern um zu verstehen.

Drei Muster, die mir in der Praxis oft begegnen

Was folgt, sind keine Diagnosen, sondern Hypothesen. Vielleicht erkennst du dich in einer wieder, vielleicht in keiner. Beides ist in Ordnung.

1. Es gibt kein sicheres Netz

Manchmal ist der Vater kaum verfügbar: lange Arbeitszeiten, Schichtdienst, eine Trennung. Manchmal ist er körperlich da, aber gedanklich woanders. Dann trägst du nicht nur die Aufgaben, sondern auch das Wissen, dass niemand einspringt, wenn du ausfällst.

Dieses Gefühl, keinen Boden unter sich zu haben, erschöpft oft mehr als die eigentliche Arbeit. Wer nie wirklich abgeben kann, kann auch nie wirklich durchatmen.

Wichtig dabei: Meist ist niemand absichtlich „raus“. Solche Verteilungen wachsen. Oft beginnt es mit der Elternzeit, in der einer schnell zur Expertin wird und der andere den Anschluss verliert. Was damals sinnvoll war, ist heute vielleicht zur Falle für beide geworden.

2. Du traust es ihm nicht zu

Er zieht dem Kind die Matschhose falsch herum an. Er vergisst die Brotdose. Er macht es anders als du. Und irgendwann denkst du: „Bevor ich es erkläre, mache ich es lieber selbst.“

Das ist verständlich. Du kennst die Abläufe, du weißt, was funktioniert. Gleichzeitig entsteht so etwas, das in der Forschung als Maternal Gatekeeping beschrieben wird: Die Mutter bestimmt – oft unbewusst –, wie viel Raum der Vater bekommt.

Die Frage ist dann nicht, wer recht hat. Sondern: Was würde passieren, wenn „anders“ auch „gut genug“ sein dürfte?

3. Du willst dir etwas beweisen

Manche Mütter tragen ein unsichtbares Versprechen in sich. „Ich mache es besser als meine Mutter.“ Oder: „Ich schaffe das alleine, ich brauche niemanden.“ Oder: „Wenn ich eine gute Mutter bin, bin ich wertvoll.“

Solche Sätze haben gute Gründe. Sie sind oft in der eigenen Geschichte entstanden und haben dir lange geholfen. Aber sie haben einen Preis: Hilfe annehmen fühlt sich dann an wie Scheitern.

Hier lohnt sich die Frage, wem gegenüber du dich eigentlich beweisen möchtest. Und ob diese Person heute noch zuschaut.

Ein Kreislauf, an dem beide beteiligt sind

In vielen Familien greifen diese Muster ineinander. Je mehr du übernimmst, desto weniger muss er übernehmen. Je weniger er übernimmt, desto unsicherer wird er. Je unsicherer er wird, desto eher korrigierst du. Und je öfter du korrigierst, desto mehr zieht er sich zurück.

Aus seiner Sicht kann das so klingen: „Ich mache es ja eh nie richtig.“ Aus deiner: „Auf ihn kann ich mich nicht verlassen.“ Beide Erzählungen sind in sich stimmig. Und beide halten den Kreislauf am Laufen.

Das ist keine Schuldfrage. Es ist ein Muster, das sich eingespielt hat. Und weil beide daran beteiligt sind, können auch beide etwas daran verändern.

Fragen zum Weiterdenken

Statt Tipps möchte ich dir ein paar Fragen mitgeben. Nimm dir die, die etwas in dir anstoßen, und lass die anderen liegen.

  • Wenn ich deinen Partner fragen würde, warum du so viel übernimmst – was würde er sagen?
  • Was hat er in den letzten Wochen gut gemacht, ohne dass es jemand bemerkt hat?
  • Woran würdest du merken, dass du ihm etwas zutraust? Woran würde er es merken?
  • Angenommen, er übernimmt eine Woche lang einen Bereich komplett und auf seine Art. Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte? Und was vielleicht das Überraschendste?
  • Wer in deiner Familie hätte am meisten Mühe damit, wenn du weniger perfekt wärst? Und wer am wenigsten?
  • Was würden deine Kinder wohl sagen, was Mama gerade am meisten braucht?
  • Wofür ist deine Überforderung vielleicht auch gut – was schützt sie, was hält sie zusammen?

Und ganz konkret zu den Fingerfarben: Vielleicht ist heute nicht dein Basteltag. Vielleicht ist es seiner. Mit seinem Chaos, seinen Regeln und seinem Aufräumen.

Wenn es wirklich kein Netz gibt

Nicht jede Mutter hat einen Partner, dem sie etwas zutrauen könnte. Wenn du alleinerziehend bist oder der Vater tatsächlich nicht zur Verfügung steht, ist deine Überlastung kein Beziehungsmuster. Sie ist eine reale Folge davon, dass zu viel auf zu wenigen Schultern liegt.

Dann geht es um andere Fragen: Wer gehört eigentlich zu deinem Netz, auch wenn du es selten nutzt? Wen hast du noch nie gefragt? Und was müsste passieren, damit Fragen sich nicht wie Schwäche anfühlt?

Fazit

Überforderung als Mutter ist keine Charakterschwäche. Sie erzählt etwas über das System, in dem du lebst: wie Verantwortung verteilt ist, wie viel Vertrauen möglich ist und welche alten Versprechen du vielleicht noch einlöst.

Du musst nicht alles alleine tragen. Und du musst auch nicht alles alleine verändern. Oft bewegt sich am meisten, wenn beide Eltern gemeinsam auf das Muster schauen, statt aufeinander.

Wenn ihr dabei Begleitung möchtet, unterstütze ich euch gerne in der Paarberatung – ohne Schuldfrage und mit Respekt für eure beiden Perspektiven.

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